Museumszugbetrieb Blankenburg (Harz) - Thale-Roßtrappe

9./10. April und 21./22. Mai 1994

Foto: Rainer Richter - Webmaster Harz-Bahn.de

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Erfahrungen der BLME mit dem Museumszugbetrieb auf der Strecke Blankenburg - Thale

1. Rahmenbedingungen des Probebetriebs April / Mai 1994

Das letzte Stück der ehemaligen HBE-Strecke zwischen Timmenrode und Thale-Bodetal war in den 70er Jahren von der Deutschen Reichsbahn den VEB Eisen- und Hüttenwerken Thale zur Nutzung als Werkseisenbahn überlassen worden. Mit dem zurück gehenden Transportvolumen und dem Ende des Heizkraftwerks Thale-Nord verlor die Strecke ihre Bedeutung. Die EHW Thale AG wickelten ihre Werksbahn ab und ließen die Anlagen über ein ABM-Projekt zurück bauen. Diese Arbeiten waren Anfang 1994 in vollem Gange, der ehemalige Endbahnhof Thale-Bodetal war bereits vollständig verschwunden, als die Idee eines Museumszugbetriebs geboren und an die Braunschweigische Landes-Museumseisenbahn herangetragen wurde.

Um diesen überhaupt noch durchführen zu können, mussten innerhalb von wenigen Wochen

- Verträge mit EHW Thale AG und der DB über die Nutzung ihrer Infrastruktur geschlossen werden

- eine NE-Bahn als Betriebsführer gegründet und angemeldet werden

- in Kooperation mit der HSB GmbH ein Betriebsleiter gefunden werden

- Auflagen der La.ndesbahnaufsicht (Bau eines Bahnsteigs, Entwässerung der Trasse etc.) umgesetzt werden

Parallel dazu waren Fahr- und Dienstpläne aufzustellen und schließlich mussten Marketing und Öffentlichkeitsarbeit unverzüglich beginnen und im Rahmen des Möglichen mit den Kommunen abgestimmt werden.

Buchstäblich am letzten Tag vor dem geplanten Zugbetrieb waren alle Auflagen erfüllt und dem ersten Personenzug nach Thale-Roßtrappe (ehem. Werks-Rangierbahnhof) seit 15 Jahren stand nichts mehr im Wege.

Foto: Rainer Richter - Webmaster Harz-Bahn.de

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Haltestelle Helsunger Krug

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2. Der Museumszugbetrieb

An den Wochenenden 9. / 10. April und 21. / 22. Mai 1994 wurden je vier Zugpaare zwischen Blankenburg und Thale gefahren, wobei der jeweils erste und letzte Zug jeden Tages von bzw. nach Halberstadt verkehrte, wo der Zug im Betriebswerk abgestellt war. Zum Einsatz kamen 2- und 3achsige Personenwagen mit Baujahren aus der Jahrhundertwende bis in die 40er Jahre. Der Zug bot eine Sitzplatzkapazität von ca. 300 Plätzen, führte einen bewirtschafteten Buffet-Wagen und einen Fahrradtransportwagen mit.

Als Triebfahrzeug kam eine Dampflokomotive der preußischen Bauart T 9.1 (Baureihe 090) zum Einsatz, die auch früher in Diensten der HBE gestanden hatte. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 55 km/h und einer Leistung von 450 PS schien die Maschine geeignet, sowohl zwischen Blankenburg und Halberstadt die erforderliche Reisegeschwindigkeit als auch auf den Rampen vor Thale die nötige Zugkraft zu sichern. Die Ergänzung der Kohlenvorräte erfolgte in Zugpausen mittels eines Bekohlungswagens in Thale-Roßtrappe, Wasser wurde im ehemaligen Bw Blankenburg stilecht aus dem Wasserkran nachgetankt.

Foto: Gerhard Schmidt / Schönebeck

Insgesamt standen je Betriebswochenende bis zu 17 ehrenamtliche Eisenbahner in drei Dienstschichten incl. Nachtheizer im Einsatz, um den Verkehr durchzuführen. Die Tarife waren bewusst äußerst moderat gehalten. Im Angebot standen gemeinsam mit der Tourismusabteilung der Stadt Thale entwickelte "Kombitickets", die neben Hin- und Rückfahrt auch Fahrten mit den Schwebebahnen und den Eintritt in den Tierpark auf dem Hexentanzplatz enthielten. Die Werbung erfolgte sowohl überregional als auch gezielt im mittleren Einzugsbereich (Magdeburg, Halle, Braunschweig / Wolfenbüttel).

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Ankunft in Thale-Roßtrappe

Foto: Rainer Richter - Webmaster Harz-Bahn.de

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3. Erfahrungen aus dem Betrieb

An beiden Wochenenden wurden insgesamt in 16 Zugpaaren etwa 7.000 Reisende befördert. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Kombitickets und der Buffet-Wagen, der insgesamt bis zu 20% des Umsatzes einfuhr.

Eine positive Überraschung war die besondere Verbundenheit der Bevölkerung im engeren Einzugsbereich der Strecke mit dieser Eisenbahn. Diese gipfelte in einer spontanen Unterschriftenaktion für den Erhalt der Strecke und gegen die Abrißbestrebungen der EHW Thale AG.

Foto: Gerhard Schmidt / Schönebeck

Bahnhof Thale Roßtrappe schon fast abgerissen.

Eher verhalten war dagegen, vom besonderen Einsatz einzelner Verantwortlicher abgesehen, das Echo bei den Anliegerkommunen. Etliche Potenziale konnten so erst annähernd ausgeschöpft werden, Synergieeffekte mit anderer touristischen Einrichtungen kamen noch nicht im eigentlich möglichen Maße zustande.

Nach Auswertung aller Erfahrungen wurde dennoch Interesse an einer Übernahme der Stecke bekundet, um in Verbindung mit einem Eisenbahnmuseum in Blankenburg einen regelmäßigen Zugverkehr anzubieten.

Foto: Rainer Richter - Webmaster Harz-Bahn.de

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Foto: Gerhard Schmidt / Schönebeck Foto: Gerhard Schmidt / Schönebeck

4. Was danach kam - und warum nicht...

Um die erforderliche politische Unterstützung für dieses Vorhaben zu bekommen, legte die BLME eine Konzeption für die Übernahme und den späteren Betrieb vor. Da eine solche Eisenbahn nur mit der Region und in der Region entwickelt werden kann, gründete die Bi .MF mit dem Förderverein Rübelandbahn e. V. in Blankenburg die Halberstadt-Blankenburger Museumsbahn GbR. Diese Anschubgesellschaft sollte die weiteren Aktivitäten bündeln und als Ansprechpartner für potenzielle Interessenten fungieren.

Zunächst erfolgte, allen Angeboten zum Trotz, der Rückbau aller Bahnanlagen auf dem Gelände der EHW Thale AG. Die übrig gebliebene Reststrecke Blankenburg - Timmenrode war jedoch für einen Touristikbahnbetrieb uninteressant, so daß eine Kostenkalkulation für den Wiederaufbau bis Thale-Roßtrappe vorgenommen wurde. Nach diversen Gesprächsrunden in Ministerien wurde schließlich eine Konzeption für den Wiederaufbau durch die GfA Thale erstellt. Die nach wie vor zögerliche Haltung der Politik vor Ort war jedoch nicht der Bezugsrahmen, der die Anschubförderung von etwa 3 Mio. DM hätte realistisch werden lassen. Aus Sicht der BLME machte und macht es jedoch auch keinen Sinn, eine solche Touristikbahn ohne aktives Mittun der Region zu etablieren. Vor diesem Hintergrund hat die HBME als Anschubgesellschaft weitere Aktivitäten eingestellt und sowohl Thale als auch Blankenburg deutlich gemacht, daß man wieder für Gespräche zur Verfügung stehe, wenn die Kommunen dies von sich aus wollen. Zu diesem Wort stehen wir weiterhin, auch wenn darauf bisher nicht reagiert worden ist. Da zwischenzeitlich eine andere Anschubgesellschaft ebenfalls den Wiederaufbau der Strecke, allerdings mit Verbindung zum DB-Bahnhof Thale und für den regulären SPNV, propagiert hat, erscheint es uns wichtig, klarzustellen: auch wenn wir dieses Projekt hinsichtlich der Umsetzungschancen eher skeptisch beurteilen verstehen wir uns dazu nicht als Konkurrenz. Ein historischer Zugbetrieb ist grundsätzlich unabhängig vom Infrastruktureigentum möglich, ja aus unserer Sicht sogar einfacher durchzuführen, wenn die Strecke nicht ehrenamtlich erhalten werden muss. Initialzündung aller weiteren Aktivitäten kann jedoch jetzt nur ein politischer Klärungsprozess vor Ort sein. Sollte dieser nach der Fachtagung voranschreiten, stehen wir selbstverständlich mit unserem Know How aus 30 Jahren historischem Zugbetrieb und speziell für die Strecke Blankenburg - Thale zurück gestellten Fahrzeugen zur Verfügung.

Foto: Rainer Richter - Webmaster Harz-Bahn.de

Drehfahrt über das Dreieck Personenbahnhof - Blankenburg Nord - Güterbahnhof - Personenbahnhof

 

Literatur : Referat auf der Fachtagung Rübelandbahn am 30.06.97 in Blankenburg

 

Autor :

Dipl.-Volkswirt Michael Wendt

Braunschweigische 

Landes Museumseisenbahn

 

 

 

 

 

© Rainer Richter Webmaster Harz-Bahnen.de 05.06.2005