Modernisierung der Signalanlagen bei der HSB

 

Bisher gibt es bei der HSB wenig Technik zur Sicherung der Zugfahrten.

Die Bestimmungen der Fahrdienstvorschrift für NE-Bahnen (Vereinfachter Nebenbahndienst) erlauben Zufahrten auch ohne aufwendige Sicherungstechnik durchzuführen.

Streckenblock ist auf der Harzquerbahn nicht vorhanden, Zugfahrten werden im Zugleitbetrieb durchgeführt. Die Streckenabschnitte sind in 3 Zugleitbereiche unterteilt, von denen aus der gesamte Zugverkehr durch je einen Zugleiter geregelt wird. Die Zugleiter haben ihren Arbeitsplatz in Wernigerode – Westerntor, Nordhausen und Alexisbad. Der Zugleiter Westerntor regelt beispielsweise den Zugverkehr von Westerntor bis einschließlich Benneckenstein sowie die Strecke Drei-Annen-Hohne – Brocken.

Ein wesentlicher Vorteil des Vereinfachten Nebenbahndienstes gegenüber „herkömmlichen“ Betriebsweisen ist der minimale Personalbedarf.

Zugleitbetrieb:

Der Zugleiter regelt auf den ihm zugeteilten Strecken den gesamten Zugverkehr. Alle fahrdienstlich relevanten Meldungen werden ausschließlich über Funk zwischen den Triebfahrzeugführern und dem Zugleiter vereinbart.

Arbeitsgrundlage ist der Buchfahrplan, in dem bereits festgelegte Zuglaufmeldungen vorgegeben sind. Fordert der Zugleiter häufigere Zuglaufmeldungen müssen diese durch einen schriftlichen Befehl N angeordnet werden. Der Entfall von Zuglaufmeldungen wird nur mündlich vereinbart.

Diese Zuglaufmeldungen können z.B. „Verlassensmeldungen“ – Verlassen des Zuges einer Betriebsstelle, „Ankunftsmeldungen“ o.ä. sein.

Als Arbeitsunterlage führt der Zugleiter ein Belegblatt. Dieses Belegblatt ist einem Weg-Zeit-Diagramm ähnlich. In der waagerechten Spalte sind die Betriebstellen dargestellt, die senkrechte Spalte ist die Zeitschiene.

Erlaubt der Zugleiter nun eine Zugfahrt bspw. von Drei Annen Hohne nach Schierke, wird unter der entsprechenden Uhrzeit die Zugfahrt zwischen den Betriebsstellen mit einem Richtungspfeil in „roter“ Farbe eingetragen. Zuvor überzeugt sich der Zugleiter vom Freisein den betreffenden Streckenabschnitt sowie der Einfahrgleise des Zielbahnhofes.

Die tatsächliche Fahrt des Zuges wird nach erfolgten Zuglaufmeldungen als Linie in grüner Farbe dargestellt.

Auf „größeren“ Bahnhöfen kann zusätzlich ein örtlicher Betriebsbediensteter eingesetzt sein. Deren Aufgabe ist ausschließlich das Bedienen der Hand- bzw. Rückfallweichen im Auftrag des Zugleiters. (Dies ist zum Beispiel in Drei Annen Hohne der Fall.)

Die Einträge auf dem Belegblatt sollen Gegenfahrten und vorzeitiges Nachfahren verhindern. Leider ist dieses Belegblatt die einzige Sicherung im Vereinfachten Nebenbahndienst.

Daher wird schon lange Versucht hier einen anderen Weg zu gehen. Dieser Weg endete meist im Betrieb nach Fahrdienstvorschrift mit der Folge, dass mehr Personal benötigt wird.

 

Bei der HSB verfolgt man seit einiger Zeit mit dem Signalisierten Zugleitbetrieb einen neuen Weg.

Nachdem im Wernigeröder Hauptbahnhof ein Mini-ESTW gebaut worden ist, von dem aus man Wernigerode Hbf (Schmalspurteil) und Bahnhof Westertor fernsteuern kann, wird nun die Strecke nach und nach mit moderner Sicherungstechnik ausgestattet.

Hier wird aber keine herkömmliche ESTW-Technik eingebaut. Elemente des Zentralblocks werden mit Fahrwegelementen gepaart, die bisher erfolgreich insbesondere im Bereich der HSB eingesetzt werden. Gemeint sind die Rückfallweichen!

Rückfallweiche

 

Rückfallweichen sind Weichen mit einem besonderen Weichenantrieb (auf dem Bild oben der grüne Zylinder). Eigentlich kann man gar nicht von einem Antrieb sprechen sondern von einer Rückstelleinrichtung. Bei den Zug- oder Rangierfahrten werden diese Weichen entgegen der Regel bei der Eisenbahn nicht vor dem Befahren von der stumpfen Seite in die richtige Stellung gebracht, sondern einfach "aufgefahren". Ein besonderer Weichenverschluss ermöglicht dieses gefahrlos. Nach dem Auffahren stellt eine Federkraft durch eine hydraulische Bremse entsprechend verzögert die Weiche wieder zurück in die Endlage und zwar so, dass ein Zug gefahrlos die Weiche von der Spitze her befahren kann. Das setzt natürlich voraus, dass der Spitzenverschluss wieder voll Wirksam ist. Dem Triebfahrzeugführer wird dieses durch ein entsprechendes Überwachungssignal signalisiert. Leuchten 2 weiße Lichter am Überwachungssignal (So 18), so kann die Weiche gefahrlos befahren werden. Bei Störungen an der Rückstelleinrichtung oder bei Rangierarbeiten läst sich die ansonsten verschlossene Weiche von Hand umstellen.

Durch den Einbau solcher Rückfallweichen kann man für den normalen Betrieb eine feste Fahrodnung im Bahnhof vorgeben. Diese feste Fahrordnung wird  im Signalisierten Zugleitbetrieb erfolgreich ausgenutzt. Die Geschwindigkeiten bei Fahrten gegen die Spitze dürfen maximal 25 km/h betragen. Aufgefahren werden dürfen die Weichen mit bis zu 40 km/h. Zur Unterstützung des Zugleiters, und nicht zu vergessen, zur Erhöhung der Sicherheit im Zugbetrieb, werden Achszähler das Freisein der zu befahrenden Gleise prüfen.

Achszähler

 

Hierzu wurden auf der Strecke bis z.Zt. zwischen Wernigerode und Brocken Achszähler in die Gleise eingebaut. Beim Befahren der Achszähler durch die metallenen Räder der Wagons bzw. Lokomotiven werden in diesen elektrische Impulse erzeugt, die in einem Rechner ausgewertet, gezählt und in Form eines Streckenblocks weiter verarbeitet. Von diesem Streckenblock, der sich weil er zentral im Haupt-Computer sitzt auch Zentralblock nennt, werden die Signale bei besetzten Gleisen unter Verschluss (auf Rot) gehalten.

 

Neues Ausfahrtsignal Bahnhof Hasserode Richtung Steinerne Renne

 

Novum an den Strecken der HSB sind die neu aufgestellten Signale. Im Zusammenspiel Achszähler und Überwachung der richtigen Lage der Weiche und Verschluss der Weichenspitze werden an den Einfahrtsignalen nach Freigabe durch den Zugleiter gesicherte Zugfahrten hinein in die unbesetzten Bahnhöfe ermöglicht.

Informationen zum verwendeten KS-Signalsystem erhalten Sie hier

Weichenantrieb mit Spitzenverschuss-Überwachung + Achszähler

 

Im Zusammenspiel Achszähler und Zentralblock werden an den Ausfahrtsignalen nach Freigabe durch den Zugleiter gesicherte Zugfahrten in die  Abschnitte der freien Strecke ermöglicht wobei die Stellung der Weiche hier keine Rolle spielt. In der Regel werden sie aufgefahren.

 

Um dieses Projekt zu verwirklichen sind umfangreiche Bauarbeiten an der Strecke und in den Bahnhöfen erforderlich.

Es müssen Kabeltrassen gelegt, Freileitungen errichtet und Signale aufgestellt werden. Und dies alles bei den teilweise schwierigen topografischen Verhältnissen im Harz!

 

Jede Menge Kabel, Verteiler und Anschlüsse müssen erstellt werden. Aber das Ziel, eine weitere Erhöhung der Sicherheit der attraktiven Harzer Schmalspur Bahnen loht sicherlich den Aufwand.

 

Ich danke Herrn Eppers von der DB Netz AG und Herrn Bauer von der HSB für fachliche Hinweise zum  Zugleitbetrieb!

 

© Rainer Richter Webmaster Harz-Bahnen.de 03.09.2001

Bildmaterial am 13.06.2003 aktualisiert